The Joyful Singers: Free!

   ... zur Sommertour 2008
 

Free! Der Traum von Freiheit - er zieht sich durch die Menschheitsgeschichte. Ob für den Einzelnen oder für eine Gruppe, immer hat er ein eigenes Gesicht. Die Sklaven der US-amerikanischen Südstaaten sahen ihre eigene Lage vergleichbar mit der Situation des unter Fremdherrschaft leidenden Volkes Israel ("Go down, Moses, tell ol' Pharao: Let my people go!"), für sie entsprach die biblische Verheißung des gelobten Landes ihrer Hoffnung auf Freiheit im Norden. Wer floh, der setzte sein Leben aufs Spiel, wer ausharrte, dem schien nur die Hoffnung auf ein besseres Jenseits zu bleiben.
Von tiefer Frömmigkeit sind die Kompositionen A. Bruckners geprägt, dessen Vertonung des katholischen "Locus iste" im Arrangement des Songs "Quiet Place" anklingt. Die junge australische Sängerin Joanne Peacock beschreibt darin einen Raum persönlicher Freiheit, der einlädt, in meditativer Ruhe zu verweilen, still und offen für Gott zu sein. Eine Freiheit, die wir in unserer stressbeladenen Zeit vermutlich zu wenig schätzen.
Spirituelle Freiheit, die auch an den Grenzen unserer irdischen Existenz nicht endet, beschwört Stevie Wonder in "Free" und ermutigt dazu, ohne Verstellung zu sein, wer man wirklich ist. Der wehmütige Sarkasmus, mit dem W. Taylor und R. Dallas ihr "I wish I knew How It Would Feel To Be Free" (1954) beginnen lassen, bezeugt die Resignation vieler Farbiger in den USA, die nach dem Ende des II. Weltkrieges ihre Hoffnungen auf Gleichberechtigung enttäuscht sahen. Doch so wie aus Resignation mit dem Erstarken der Bürgerrechtsbewegung ein neues schwarzes Selbstbewusstsein wuchs und schließlich die Emanzipation der Farbigen vorangetrieben werden konnte, endet dieses Lied in der Gewissheit, dass "ich wissen werde, wie es ist, frei zu sein."
Dem skeptischen "Wie lange noch?" setzte Martin Luther King ein Jahrzehnt später (1965) ein entschiedenes "How long? Not long!" entgegen. Seine Ermordung vor vierzig Jahren geschah in der vergeblichen Absicht, die Erfolgsgeschichte der von ihm geführten Bewegung doch noch umzukehren. Stattdessen wurde sein "Ich habe einen Traum" zur legendären politischen Vision jener Zeit. Ihr setzte die Rockband U2 mit "MLK" ein musikalisches Denkmal.
Der nachfolgenden Generation haben sich längst nicht alle Verheißungen dieses Traumes erfüllt, und schwarze Musikerinnen wie die des Vokalquintetts "Sweet Honey in the Rock" verweisen mit "New Spirituals" bewusst auf das widerständige musikalische Erbe der Sklavenzeit. Der Appell von "Would You Harbor Me?" ist verstörend zeitgemäß: "Wem würdest du Obdach geben? Einem Moslem, einem Aidskranken, einem entlaufenen Häftling? Würdest du mir, würde ich dir Obdach geben?"

 

Programm "Free!" - Frei!  
(zur Sommertour 2008 - die Titelliste der CD weicht hiervon teilweise ab)  
   
Intro: Walk In That Beautiful Light  
Shed A Little Light  
All My Trials  
Go Down, Moses    
Would You Harbor Me?    
It's Me, Oh Lord  
As Long As The Soles Of My Feet   (Text & M: Henschel/Beyer)
Train Of Thoughts  
Free   (Übertragung: Schmickler/Henschel)
Hands  
I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free  
MLK  
Free At Last   (Text)
Guide Me, Jesus   (Text & M: Henschel/Beyer)
Quiet Place/Locus Iste
Show Me The Way, Lord  
Heaven Can Be Here   (Text & M: Henschel/Beyer)
The Lord Just Keeps On Blessing Me  
Zugabe: Higher And Higher  
Zugabe: O Happy Day  
Way out: Keep Your Lamps  


© by , 25-aug-08, Last revised: 25-aug-08